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Nach jahrelangem Kampf: Streit um Sika ist zu Ende

Im Ringen um den Zuger Baustoffkonzern haben Sika und Saint-Gobain heute eine Lösung bekannt gegeben.

2014 überraschten die Familienaktionäre der Sika die Geschäftsleitung mit ihrem Plan, ihre Aktienmehrheit an den französischen Konzern Saint-Gobain zu verkaufen.
2014 überraschten die Familienaktionäre der Sika die Geschäftsleitung mit ihrem Plan, ihre Aktienmehrheit an den französischen Konzern Saint-Gobain zu verkaufen.
Jason Alden/Bloomberg
Sika-CEO Jan Jenisch und die übrigen Aktionäre mobilisierten sich gegen den Verkauf. Bei einer GV versuchten sie eine Opting-out-Klausel aus ihren Statuten zu entfernen.
Sika-CEO Jan Jenisch und die übrigen Aktionäre mobilisierten sich gegen den Verkauf. Bei einer GV versuchten sie eine Opting-out-Klausel aus ihren Statuten zu entfernen.
Georgios Kefalas, Keystone
Die Familie Burkard wird sich aus dem Geschäft zurückziehen können.
Die Familie Burkard wird sich aus dem Geschäft zurückziehen können.
Georgios Kefalas, Keystone
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Nach 41 Monaten Übernahmestreit ist eine Einigung zwischen den zerstrittenen Parteien gefunden worden. Saint-Gobain hat ihren gültigen Kaufvertrag mit der Sika-Erbenfamilie Burkard eingelöst – auch ohne die vollen Stimmrechte und damit die Kontrolle am Schweizer Unternehmen zu erhalten.

Die Vereinbarung enthält, dass die Parteien alle Gerichtsverfahren beenden. Saint-Gobain verkauft wie geplant Stimmanteile an Sika. Sika erwirbt wiederum auch einen Teil der Aktien von Saint-Gobain.

Kaufpreis erhöht

Laut Mitteilung erwarb Saint-Gobain alle Aktien der Schenker-Winkler-Holding von der Familie Burkard zu einem Kaufpreis von 3,22 Milliarden Franken. Dieser Preis enthält eine Erhöhung des im Dezember 2014 zwischen Saint-Gobain und der Familie Burkard vereinbarten Kaufpreises von knapp einer halben Milliarde Franken. Dies wiederspiegle die Wertsteigerung von Sika seit 2014, heisst es.

Saint-Gobain und die SWH verkauften zudem eine Kapitalbeteiligung von 6,97 Prozent an Sika für einen Gesamtkaufpreis von 2,08 Milliarden Franken. Dieser Betrag enthalte eine Prämie von 795 Millionen Franken gegenüber dem Börsenkurs vom 4. Mai 2018. Saint-Gobain behält eine Beteiligung von 10,75 Prozent an Sika für mindestens zwei Jahre. Im Falle eines beabsichtigten Verkaufs werde Saint-Gobain ihre Sika-Aktien zuerst Sika anbieten, heisst es.

Einheitsaktie soll eingeführt werden

Sika wird laut Mitteilung eine Generalversammlung einberufen, um eine Einheitsaktie («one share, one vote») einzuführen. Das Opting-Out und die 5-Prozent-Vinkulierung soll abgeschafft werden. Ausserdem sollen die von der SHW erworbenen eigenen Aktien (6,97 Prozent des Aktienkapitals) mittels Kapitalherabsetzung vernichtet werden.

«Der Verwaltungsrat und die Konzernleitung von Sika begrüssen den positiven Ausgang, welcher ein neues Kapitel unserer Erfolgsgeschichte einläutet und eine sofortige Gewinnverdichtung für unsere Aktionäre bringt», werden in der Mitteilung Sika-Verwaltungsratspräsident Paul Hälg und Sika-CEO Paul Schuler zitiert.

Urs Burkard, Sprecher der Sika-Gründerfamilie, sagt: «Wir freuen uns, dass Saint-Gobain als ein wichtiger Kunde von Sika nunmehr grösster Aktionär der Gesellschaft wird. Die unter den beteiligten Parteien vereinbarte Lösung berücksichtigt die Interessen aller Aktionäre und bildet die Basis, um die Erfolgsstory von Sika weiterzuführen.» Oberstes Anliegen der Familie sei stets gewesen, den Erfolg und das langfristige Gedeihen von Sika sicherzustellen.

Pierre André de Chalendar, Verwaltungsratspräsident und CEO von Saint-Gobain, lässt sich zitieren, es sei eine sehr positive Einigung für Saint-Gobain, sowohl aus einer finanziellen als auch einer strategischen Perspektive. «Wir realisieren für unsere Aktionäre einen substantiellen positiven Nettogewinn von über 600 Millionen Euro», so de Chalendar. Ausserdem behalte man eine Minderheitsbeteiligung an einem «grossartigen Unternehmen».

Aktienpreis verdoppelt

Wie diese Zeitung im letzten Herbst berichtete, zog Saint-Gobain diese Möglichkeit in Betracht, nachdem sich der Aktienpreis von Sika innert drei Jahren praktisch verdoppelt hat. Für Saint-Gobain wurde das Aktienpaket, das der französische Konzern von der Familie für 2,75 Milliarden Franken per Vertrag gesichert hat, dadurch zum Schnäppchen. Zudem muss Saint-Gobain noch dieses Jahr reagieren.

Ein rechtskräftiges Urteil des Bundesgerichts in Lausanne zur Stimmrechtsfrage wird nicht vor 2019 erwartet. Der Vertrag zwischen Saint-Gobain und der Familie Burkard läuft jedoch Ende Jahr aus. Danach könnte die Familie neu verhandeln, sprich einen höheren Preis verlangen. Mit der jetzigen Einigung wäre sie jedoch ausbezahlt.

Urteil in den nächsten Tagen

Saint-Gobain und Sika haben noch vor einem rechtskräftigen Urteil verhandelt, wie Recherchen zeigen. Laut Insidern sollen sie vereinbart haben, dass Saint-Gobain ein Teil ihres erworbenen Aktienpakets an Sika verkauft. Den Rest will das französische Unternehmen als Finanzbeteiligung behalten und zu einem späteren Zeitpunkt der Sika verkaufen. Hintergrund des komplexen Deals sind steuerliche Überlegungen. Die vereinbarte Einigung ist im Sinne von Sika. Sie ermöglicht dem Unternehmen, selbstständig zu bleiben und die Aktienstruktur zu vereinfachen. Sika-Verwaltungsratspräsident Paul Hälg hatte stets betont, dass man als eigenständiges Schweizer Unternehmen die Einheitsaktie einführen wolle.

Im Dezember 2014 verkaufte die Sika-Erbenfamilie Burkard ihre Kontrollmehrheit an der Firma für 2,75 Milliarden Franken an Saint-Gobain. Der Sika-Verwaltungsrat wehrte sich gegen die Übernahme. An den GVs hat er die Stimmen der Familie auf unter 5 Prozent beschränkt. Damit verhinderte er die Kontrollübernahme. Erfolglos versuchte die Familie, die Stimmrechtsbeschränkung für nichtig zu erklären. Das Kantonsgericht Zug hat eine Klage im Oktober 2016 abgelehnt und dem Sika-VR recht gegeben. Das Urteil der zweiten Instanz wird in den nächsten Tagen erwartet.

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