Zum Hauptinhalt springen

Überraschende Zinssenkung der US-Notenbank

Das Fed hat wegen der Ausbreitung des Coronavirus rasch reagiert – und das ziemlich heftig.

Wurde von US-Präsident Trump in jüngerer Vergangenheit wiederholt kritisiert: Jerome Powell. Bild: Alex Wong/Getty Images
Wurde von US-Präsident Trump in jüngerer Vergangenheit wiederholt kritisiert: Jerome Powell. Bild: Alex Wong/Getty Images

Die US-Notenbank hat am Dienstag wegen des Coronavirus überraschend den Leitzins gesenkt. Er liegt nun in der Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent, erklärte die Federal Reserve (Fed). Unerwartet heftig sinkt damit der Zins um einen halben Prozentpunkt.

Die Notenbank werde die Situation und deren wirtschaftliche Folgen weiter genau beobachten und «ihre Mittel nutzen, um angemessen zu reagieren, um die Wirtschaft zu stützen». Die nächste reguläre Sitzung der Notenbank, bei der über die Höhe des Leitzinses entschieden werden sollte, sollte eigentlich erst in zwei Wochen stattfinden.

Die Notenbank hatte bereits Ende vergangener Woche erklärt, dass sie die Auswirkungen der Epidemie des neuen Coronavirus aufmerksam verfolge und notfalls zu handeln bereit sei. US-Präsident Donald Trump forderte die – von der Regierung unabhängige – Notenbank wegen der Auswirkungen des Coronavirus wiederholt zu Zinssenkungen auf. Er fürchtet – wohl auch im Hinblick auf die Präsidentschaftswahl im November – infolge der Epidemie eine Wachstumsdelle.

Die Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie belasten bereits die globale Wirtschaftsentwicklung. In den USA sind bislang jedoch erst rund 100 Ansteckungen und sechs Todesfälle gemeldet.

G7 will handeln

Die Fed hatte ihren Leitzins im vergangenen Jahr drei Mal um je 0,25 Prozentpunkte gesenkt, ihn bei den letzten beiden Sitzungen jedoch in Anbetracht der soliden Wirtschaftsentwicklung und niedrigen Arbeitslosigkeit in den USA unverändert belassen.

Nur wenige Stunden vor der Erklärung der Fed hatten die führenden westlichen Industrieländer (G7) ihren Willen bekundet, gegen die wirtschaftlichen Folgen der Krise vorzugehen. Der US-Dollar sackte in der Folge auf 0,9530 Franken ab, während sich der Euro auf 1,0670 Franken verteuerte.

Die Verbreitung des neuartigen Coronavirus und die Auswirkungen auf Finanzmärkte und Wirtschaft würden genau beobachtet, hiess es in einer Erklärung der Finanzminister und Notenbankchefs der G7.

«Angesichts der möglichen Auswirkungen von Covid-19 auf das globale Wachstum bekräftigen wir unsere Verpflichtung, alle geeigneten politischen Instrumente einzusetzen, um ein starkes und nachhaltiges Wachstum zu erreichen und gegen Abwärtsrisiken zu sichern», hiess es. Die Finanzminister seien bereit, auch fiskalische Massnahmen – also beispielsweise höhere Staatsausgaben – zu ergreifen, soweit dies notwendig sei. Zur Gruppe der G7-Staaten gehören die USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Kanada und Italien.

Schweizer Börse mit grösstem Tagesgewinn seit Ende 2019

Auslöser für das grösste Tagesplus seit Ende 2019 war vor allem die überraschende Zinssenkung der Fed. Der Leitindex SMI zog 2,8 Prozent auf 10.222 Punkte an.

Die Standardwerte stiegen zum Teil kräftig. An die Spitze setzte sich Sika mit einem Kursgewinn von 5,5 Prozent. Die Bauchemiefirma würde von Infrastrukturprogrammen profitieren. Getragen wurde der Anstieg aber vor allem von Nestle und Roche, deren Anteile vier beziehungsweise 2,9 Prozent anzogen. Die Nachfrage nach den an sich als eher defensive Anlagen geltenden Indexschwergewichten galt Marktteilnehmern als Signal dafür, dass der Anstieg des Marktes breit abgestützt ist.

Der dritte SMI-Riese Novartis hinkte mit 0,4 Prozent Kurszuwachs merklich hinterher. Geschuldet war dies allerdings dem Dividendenabschlag.

Am breiten Markt stiegen die Clariant-Aktien um fünf Prozent nachdem der saudische Grossaktionär Sabic weitere Aktien des Chemiekonzerns gekauft und seine Beteiligung auf 31,5 Prozent aufgestockt hat.

Kein Kommentar von der SNB

Die Hoffnung auf ein Eingreifen der Notenbanken wegen der Viruskrise hat sich damit sich rascher als gedacht erfüllt. Ein ausserplanmässiger Beschluss und eine Veränderung um 50 Basispunkte habe es zuletzt in der Finanzkrise vor gut 10 Jahren gegeben, erklärten die Marktstrategen der Bank LBBW in einer ersten Reaktion.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) wird gemäss aktueller Planung am 19. März ihre geldpolitische Lagebeurteilung abhalten. Den Zinsschritt der Fed wollte die SNB auf Anfrage von AWP nicht kommentieren.

(reuters/sda)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch