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Über 7000 Banker verlieren ihren Job

Die Deutsche Bank baut den Konzern um und reduziert die Belegschaft deutlich.

Die Vollzeitstellen werden auf «deutlich unter» 90'000 verringert: Logo der Deutschen Bank in Frankfurt am Main.
Die Vollzeitstellen werden auf «deutlich unter» 90'000 verringert: Logo der Deutschen Bank in Frankfurt am Main.
Frank Rumpenhorst, Keystone

Die Deutsche Bank streicht mehr als 7000 Stellen, verkleinert das Management und schrumpft das schwankungsanfällige Investmentbanking. Die Kosten sollen so um eine Milliarde Euro bis Ende 2019 sinken, wie Konzernchef Christian Sewing am Donnerstag bei der Hauptversammlung der Bank in Frankfurt am Main sagte. Sein Ziel sei ein «hohes Mass an stabilen Erträgen».

Sewing sagte, die Bank werde die meisten der mehr als 7000 Stellen noch in diesem Jahr streichen. Die Zahl der Vollzeitstellen werde so von derzeit etwas mehr als 97'000 auf «deutlich unter» 90'000 verringert. «Wir werden das alles aber auch so verantwortungsbewusst und sozialverträglich wie möglich gestalten», versicherte er.

Automatisierung des Aktienhandels

Durch freiwillige Abgänge und Einstellungsstopps «da wo es sinnvoll ist», solle auf betriebsbedingte Kündigungen möglichst verzichtet werden. Einschnitte gibt es vor allem im grössten Geschäftsbereich, dem Investmentbanking. «Wir werden unser Zinsgeschäft in den USA deutlich verkleinern und die Bilanzsumme reduzieren», sagte Sewing. «Diesen Bereich sehen wir nicht als Kernkompetenz.» In Europa wolle die Bank hingegen unvermindert in diesem Bereich aktiv sein.

Der Aktienhandel soll stärker automatisiert werden, ein Viertel der Mitarbeiter in der Abteilung muss gehen. In den vergangenen sieben Wochen hätten bereits 600 Mitarbeiter aus diesem Bereich die Bank verlassen, sagte Sewing.

Management ab- und DWS aufbauen

Auch das Management will die Bank verkleinern. Der Vorstand sei bereits um ein Viertel eingeschrumpft, nun sind laut Sewing die nachfolgenden Führungsebenen an der Reihe. «Kleinere Gremien, weniger Hierarchie, mehr Eigenverantwortung - das ist unsere Devise». Ziel sei, Diskussionen einzudämmen und Entscheidungen schneller umzusetzen.

Ausbauen will Sewing hingegen Bereiche, die nicht so stark schwanken. Das ist zum einen der Vermögensverwalter DWS, den die Bank kürzlich an die Börse gebracht hatte. Hier rechnet Sewing mit einem wachsenden Markt, an dem die DWS teilhaben wolle. Mit 200 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen und zwei Milliarden Euro Erträgen gehört die DWS im internationalen Vergleich bislang zu den kleineren Fischen.

Halbe Milliarde Euro durch Fusion einsparen

Wachsen will Sewing auch im Privat- und Firmenkundengeschäft, das er selbst bis zur seiner Berufung an die Spitze im April geführt hatte. Grösste Massnahme ist hier die rechtliche Fusion der Postbank mit der Deutschen Bank, die «bis zum kommenden Wochenende» abgeschlossen sein soll, wie der Unternehmenschef sagte. Sewing erhofft sich davon bereits im kommenden Jahr Einsparungen in Höhe von einer halben Milliarde Euro.

Mit dann 20 Millionen Kunden sieht Sewing seine Bank in einer starken Position. «Wir werden Standards setzen können - sowohl was Beratung als auch unsere Produkte angeht». Das verwaltete Kundenvermögen und die Summe der Kredite könnten «kräftig» wachsen. Investieren will Sewing auch in die Niederlassungen in Italien und Spanien - aus Portugal und Polen hat sich die Bank hingegen zurückgezogen.

«Lassen Sie sich überraschen»

Beim Thema Digitalisierung kündigte Sewing einerseits Ausgabensenkungen in der IT an - andererseits werde es eine «ganz neue digitale Plattform» für die Kunden geben. Eine Basisversion solle in der zweiten Jahreshälfte starten. Genauere Details gab Sewing nicht bekannt: «Lassen Sie sich überraschen.»

Die Deutsche Bank hatte im vergangenen Jahr das dritte Jahr in Folge Verlust gemacht. Anfang April tauschte der Konzern den Vorstandsvorsitzenden aus - der Brite John Cryan musste gehen, Sewing rückte an die Spitze.

AFP/sep

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