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Onlinekunden müssen bis zu zwei Wochen auf Nahrungsmittel warten

Ob Lebensmittel, Bücher, Kleidung oder Elektronik – seit Läden schliessen mussten, steigen die Onlinebestellungen. Und mit ihnen die Probleme.

Aktuelle Bestellungen kann der Onlinehändler Le Shop erst am 1. April ausliefern. Ein Blick in das Logistikzentrum in Bremgarten. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)
Aktuelle Bestellungen kann der Onlinehändler Le Shop erst am 1. April ausliefern. Ein Blick in das Logistikzentrum in Bremgarten. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Kunden brauchen derzeit Geduld: «Leider sind momentan alle verfügbaren Lieferslots bereits ausgebucht», steht auf der Website des Lebensmittel-Onlinehändlers Le Shop. Wer trotzdem eine Bestellung bei der Migros-Tochter aufgeben will, muss warten – je nach Zeitpunkt bis zu 50 Minuten. Und geliefert wird nicht vor dem 1. April.

Schuld seien nicht etwa fehlende Nahrungsmittel, sondern die starke Zunahme der Bestellungen, heisst es bei der Migros.Um diese bewältigen zu können, ergreift der Detailhändler Massnahmen: «Indem wir mehr Personal eingestellt haben, Büromitarbeitende im Le-Shop-Verteilzentrum einsetzen, mit Zusatzschichten planen und mehr Transporte einsetzen, bauen wir die Kapazität aus», sagt Migros-Sprecher Marcel Schlatter. In den nächsten Tagen könnte die Lage also wieder anders aussehen: «Wir fügen jeden Tag neue Lieferfenster hinzu und arbeiten mit Hochdruck daran, um die Kapazitäten weiter zu erhöhen», sagt Schlatter.

Mehrere Tage warten beim Coop-Onlineshop

Auch der Hauptkonkurrent Coop stösst mit seinem Onlineshop Coop@home an seine Grenzen. Einzelne Regionen können in den nächsten Tagen nicht beliefert werden. Um der Nachfrage Herr zu werden, habe man aktuell mehr Leute im Einsatz. Bei besonders stark nachgefragten Produkten seien die Liefermengen erhöht worden.

Beim Onlinemarkt Farmy.ch scheint man der gestiegenen Nachfrage bisher noch gerecht zu werden. Derzeit würdengut vier Fünftel der Bestellungen pünktlich abgeliefert. Seit Dienstag habe mandie Lieferfenster von zwei auf vier Stunden erweitert, um besser planen zu können, sagt Sprecher Florian Laudahn. Die Nachfrage sei vor allem für haltbareund abgepackte Produkte wie Reis oder Pastasaucen um das Vierfache angestiegen.

Nicht-Lebensmittel-Handel steht unter Druck

Weil praktisch der gesamte Fachhandel – darunter Mode-, Sport-, Buch-, Musik- und Schuhläden – geschlossen ist, steigt auch im Nicht-Lebensmittel-Handel der Druck. Um die enormen Bestellmengen zu stemmen, sucht die Migros-Tochter Digitec Galaxus temporäre Mitarbeitende. Momentan gehen so viele Bestellungen ein wie zuletzt am Black Friday. Zurzeit ist Digitec Galaxus um 35’000 Bestellungen in Verzug. Das bedeutet: Kunden müssen einen Tag länger auf ihre Bestellungen warten. «In der Logistik brauchen wir aktuell jeden, der anpacken kann», sagt ein Sprecher. Auch die Angestellten aus den elf geschlossenen Filialen würden jetzt aushelfen.

Die Modekette H&M kann die Auswirkungen auf das Onlinegeschäft bisher nicht abschätzen. Lieferengpässe gebe es zurzeit keine. So auch beim Onlineshop der Warenhauskette Manor. Dort verzeichne man eine gestiegene Nachfrage nach Multimediaprodukten für das Homeoffice, sagt Sprecher Fabian Hildbrand.

Der weltweit grösste Onlinehändler Amazon wiederum richtet mit der ganz grossen Kelle an: Für rund 350 Millionen US-Dollar sollen 100’000 neue Stellen geschaffen werden, um den Ansturm auf seine Plattform zu bewältigen.

«Die Menschen telefonieren deutlich mehr als üblich – und zwar via Mobil- und Festnetz.»

Swisscom-Sprecherin

Die Paketlieferdienste verfügen noch über genügend Ressourcen: «Aktuell gehen wir davon aus, dass wir das Volumen mit dem bestehenden Personal abdecken können», heisst es bei DPD. DHL rechnet im Moment damit, dass die verfügbaren Ressourcen ausreichen. Bei der Post steigt die Zahl der Lebensmittelpakete. Es gebe Onlinehändler, die das doppelte oder gar vierfache Volumen anmelden würden, heisst es. Noch sei es aber verfrüht, seriöse Aussagen zu Massnahmen zu machen. «Aktuell ist kein Stellenausbau erforderlich», richtet die Post aus. Das könne sich aber ändern.

Um im Internet einkaufen zu können, braucht es stabile Netze. Doch gerade die Infrastruktur von Marktführer Swisscom ist seit Anfang Woche zeitweise überlastet. Am Montag und Dienstag kam es zwischen 9 und 12 Uhr zu starken Beeinträchtigungen.

Der staatsnahe Betrieb macht dafür die Heimarbeit verantwortlich, die immer mehr Unternehmen ihren Mitarbeitern verordnen. «In der Sprachtelefonie sehen wir eine erhöhte Belastung», sagt eine Sprecherin. «Die Menschen telefonieren deutlich mehr als üblich – und zwar via Mobil- und Festnetz.» Im Datenverkehr gebe es hingegen kaum Veränderungen.

Plexiglasscheiben an Migros-Kassen

Noch vergangene Woche hiess es bei der Swisscom, das Unternehmen habe genug Puffer in den Netzen für die erwarteten Mehrzugriffe. Die Firmensprecherin sagt dazu, das Verhalten der Kunden sei derzeit nicht vorhersehbar und damit nicht planbar. Daher überwache die Swisscom die Netze genauer als sonst und treffe laufend Massnahmen, um die Kapazitäten zu verbessern.

Bei den Lebensmittelhändlern, die ihre Läden offen halten dürfen, sind Hygienemassnahmen gefragt, um Kunden und Mitarbeitende zu schützen. Die Landi in Neftenbach ZH zum Beispiel öffnete am Dienstag nur für zwei Stunden. Und die Migros-Filiale im benachbarten Pfungen liess die Kunden nur tröpfchenweise in kleinen Gruppen in den Laden. In den kommenden Tagen werden in Migros-Filialen Plexiglasscheiben an den Kassen montiert, um dem Social Distancing gerecht zu werden.

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