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Verdacht auf Kinderarbeit bei Glitzerkosmetik

Das Mineral Mica bringt Kosmetikprodukte zum Glitzern und stammt oft aus illegalen Minen. Jetzt wurde es auch bei Schweizer Detailhändlern gefunden.

Eine 13-Jährige sucht in einer illegalen Mine bei Koderma, Indien, nach Bruchstücken des Minerals Mica. (Foto: Reuters)
Eine 13-Jährige sucht in einer illegalen Mine bei Koderma, Indien, nach Bruchstücken des Minerals Mica. (Foto: Reuters)

Wenn es in Beauty-Produkten glitzert, dann meistens dank dem Mineral Mica. Doch der Rohstoff hat eine dunkle Seite: Er wird oft in illegalen Minen in Ländern wie Indien gewonnen – von Kindern. Bis zu 20'000 Kinder arbeiten laut Terre des Hommes Niederlande für den Abbau. Die Dunkelziffer ist hoch. Die Abnehmer des Micas? Unter anderem grosse Kosmetikfirmen. Eine Recherche des «SonntagsBlick» zeigt nun: Auch im Sortiment der Schweizer Detailhändler taucht Mica auf – sowohl in Fremd-, wie auch in Eigenmarken.

Das Mineral wurde etwa im Sephora-Rouge bei Manor, im Nars-Lidschatten bei Globus, und in der Naturaline-Tagescrème «Perfekter Teint» bei Coop gefunden; und in Zahnpasten bei Migros, beispielsweise in der «Signal Junior» für Kinder. Experten warnen nun, dass auch in Alltagsprodukten Glitzerstaub aus Kinderarbeit stecken könne. «Das Risiko, ungewollt Produkte zu kaufen, die mit Kinderarbeit in Verbindung gebracht werden, ist sehr hoch», sagt Oliver Classen, Mediensprecher von Public Eye zu «SonntagsBlick», «eine unhaltbare Situation.» Und Richard Geer, Leiter Kommunikation bei Terre des Hommes Schweiz sagt: «Untersuchungen von Terre des Hommes Niederlande haben ergeben, dass die meisten Minen nicht offiziell sind. Das gewonnene Mica wird von Zwischenhändlern abgeholt und mit jenem von anderen Minen vermischt.» Dadurch sei es fast unmöglich, die Lieferketten zurückzuverfolgen und auszuschliessen, dass keine Kinder für den Glitzerstaub gearbeitet haben.

Die Detailhändler verweisen auf Nachfrage von «SonntagsBlick» auf ihre Richtlinien und Verhaltenskodexe. Diese verpflichteten sich, ethische und faire Arbeitsbedingungen ohne Kinderarbeit einzuhalten, was regelmässig überprüft werde. Die von den Detailhändlern genannten Richtlinien seien zwar im Allgemeinen gute Instrumente, um der Kinderarbeit ein Ende zu setzen, sagt Richard Geer. Aber: «Sie sind keine Garantie.» Darum könne man die Produkte mit Mica noch nicht ohne schlechtes Gefühl kaufen. Am besten sei es, auf Produkte mit Mica zu verzichten, sagt auch Oliver Classen. Wer trotzdem glitzern möchte, könne zu synthetischen Ersatzprodukten greifen – bestenfalls ohne Plastik.

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