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Wie Nestlé mit Starbucks die Konkurrenz bodigen will

Der Schweizer Multi hat mit dem Kaffee-Zukauf grosses vor – unter anderem in China.

Ist der Zug für die Konkurrenz bald abgefahren? Nestlé baut mit Starbucks seine Vormachtstellung weiter aus.
Ist der Zug für die Konkurrenz bald abgefahren? Nestlé baut mit Starbucks seine Vormachtstellung weiter aus.
Christian Beutler, Keystone

Nestlé hat in den USA eine Schwachstelle: den Kaffeemarkt. Der Hersteller von Nespresso und Nescafé ist mit einem Umsatz von gut 15 Milliarden Franken und einem Marktanteil von 22,6 Prozent zwar der führende Anbieter von Kaffeelösungen weltweit. In den USA landet er gemäss dem Marktbeobachter Euromonitor aber nur auf Rang fünf.

Das will der Nahrungsmittelhersteller ändern. Denn nirgends wird so viel Kaffee getrunken wie in den USA. Um die Position auszubauen, kauft Nestlé die Vermarktungsrechte an den Konsum- und Gastronomieprodukten der US-Kaffeehauskette Starbucks. Davon ausgenommen sind die Cafés und Ready-to-Drink-Produkte wie der Frappuccino.

Führend im US-Markt

Starbucks ist mit einem Anteil von knapp 14 Prozent gemäss Euromonitor heute Marktführer im US-Kaffeegeschäft. Die Kette konnte den Umsatz mit frischem Kaffee, Kapseln und Instantprodukten stetig steigern. Im Geschäftsjahr 2016/17 erwirtschaftete ihre Handelssparte 2 Milliarden Dollar und überholte den US-Nahrungsmittelhersteller JM Smucker.

Der Kaffeehausbetreiber wird künftig nur noch für den nordamerikanischen Markt produzieren, während Nestlé die Herstellung der Kaffeeprodukte für den Rest der Welt übernimmt. Die beiden Unternehmen wollen zudem zusammen an der Entwicklung und der Markteinführung neuer Produkte arbeiten. Starbucks erhofft sich von der Zusammenarbeit eine bessere globale Vermarktung dank der Reichweite von Nestlé.

Potential in China

Nestlé wiederum stärkt mit der Starbucks-Handelssparte nicht nur die Position in den USA. Wachstumschancen sieht ZKB-Aktienanalyst Patrik Schwendimann vor allem in Ländern, wo Starbucks noch wenig exponiert ist, wie China. Dadurch kann der Nahrungsmittelhersteller die globale Vormachtstellung ausbauen und Verfolger JAB auf Distanz halten. Das Konglomerat der milliardenschweren Familie Reimann ist durch die Übernahme von De Masters für fast 10 Milliarden Dollar im Jahr 2013 und den Zusammenschluss mit dem Kaffeegeschäft von Mondelez in Jacobs Douwe Egberts 2015 näher zum Marktführer aus Vevey aufgerückt.

Zudem hat sich der Trend am Kaffeemarkt in den letzten Jahren gewandelt. Die Konsumenten trinken vermehrt hochwertigen Kaffee und sind bereit, entsprechend mehr dafür zu bezahlen, wie aus einer Studie von Euromonitor hervorgeht. Das hat auch Nestlé erkannt. Durch die Zusammenarbeit mit Starbucks will CEO Mark Schneider das Geschäft mit hochmargigen Produkten ausbauen.

Die Handelssparte von Starbucks ist gemäss der britischen Grossbank Barclays mit einer operativen Marge von 44 Prozent einiges profitabler als die Premiummarke Nespresso. Vor allem aber ist das Segment deutlich gewinnbringender als das übrige Geschäft von Nestlé, das 2017 eine Marge von 16,4 Prozent aufwies.

Letztes Jahr hatte der Konzern mit den US-Kaffeehausketten Blue Bottle Coffee und Chameleon Cold-Brew zwei Mal im Spezialitätenbereich zugekauft. Doch mit einem Umsatz von zusammen weniger als 100 Millionen Dollar sind das verhältnismässig kleine Fische. Um das Premiumgeschäft bedeutend ausbauen zu können, braucht Nestlé eine starke Marke – wie Starbucks.

Drittgrösste Transaktion

Nestlé leistet für die Vermarktungsrechte eine Sofortzahlung von 7,15 Milliarden Dollar an Starbucks. Das ist die drittgrösste Transaktion in der Geschichte des Nahrungsmittelherstellers, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Anlagevermögen werden keine übertragen.

Angesichts der zusätzlich anfallenden Lizenzzahlungen in unbekannter Höhe scheint die Transaktion auf den ersten Blick teuer. Laut Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy ist der Deal aber mit anderen Übernahmen in der Branche vergleichbar.

Finanziell dürfte der Kauf für Nestlé kein Problem darstellen. Das Aktienrückkaufprogramm ist nicht tangiert, teilte der Nahrungsmittelkonzern am Montag mit. Er geht davon aus, dass sich die Transaktion ab 2019 positiv auf den Gewinn auswirken wird.

Zudem wird die Zusammenarbeit mit Starbucks künftig das organische Wachstum stärken. Es fiel 2017 mit 2,4 Prozent so tief aus wie noch nie in den letzten zwei Jahrzehnten. Die schwachen Wachstumsaussichten lasteten auf den Aktien: Seit Anfang Jahr haben die Titel knapp 9 Prozent verloren. Am Montag schlossen sie 1,6 Prozent fester. Der von Schneider angestrebte Umbau verleiht ihnen weiteres Aufwärtspotenzial.

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