Rekordhoher Eisverlust in Grönland

Elf Milliarden Tonnen Eis an einem Tag: Noch nie hat die arktische Insel so viel Eis verloren wie am 2. August.

In Grönland schmelzen die Gletscher immer schneller: Am 2. August verlor die arktische Insel 12,5 Milliarden Tonnen Eis. Video: AP

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Während der letzten Hitzewelle haben Forscher in Grönland den grössten je aufgezeichneten Eisverlust innerhalb eines Tages registriert. Am 2. August verlor die arktische Insel laut der Nasa elf Milliarden Tonnen Eis. Das entspricht ungefähr dem Volumen von fünf Millionen olympischen Schwimmbecken.

Es war am selben Tag, als die Bewohner des ostgrönländischen Ortes Kulusuk ein explosionsartiges Donnern vernahmen. Acht Kilometer vom kleinen Dorf entfernt waren Eismassen in der Grösse eines Fussballfelds von einem Gletscher abgebrochen.

Das Eis in Grönland schmilzt immer schneller. Nasa-Wissenschaftler Josh Willis bereitet in einem Flugzeug eine Probe vor. (14. August 2019) Bild: Mstyslav Chernov/AP

In Kulusuk ist das OMG-Programm der Nasa stationiert. Den Wissenschaftlern von Oceans Melting Greenland zufolge werden die grönländischen Gletscher nicht nur von den steigenden Lufttemperaturen angegriffen, sondern auch vom sich erwärmenden Arktischen Ozean, dessen Wasser das Eis wegfrisst.

Mit dem iPhone das Eis schmelzen sehen

In Grönland gibt es laut OMG genug Eis, um den Meeresspiegel um 7,5 Meter anzuheben. Am Helheim-Gletscher etwa, einem der grössten des Landes, könne man dem Eis beim Schmelzen zusehen, wie Nasa-Forscher Josh Willis einem Reporter von CNN sagt. «Wahrscheinlich könnten Sie Ihr iPhone in den Zeitraffer versetzen und sehen, wie das Eis vorbeizieht», so der Ozeanograf.

Der vergangene Juli war weltweit der heisseste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Als dies Meteorologen am 2. August verkündeten, gab das Dänische Meteorologische Institut bekannt, dass Grönland im Juli 197 Milliarden Tonnen Eis verloren habe. Nach der durchschnittlichen Menge seit 1950, als die Messungen begannen, wären 60 bis 80 Milliarden Tonnen zu erwarten gewesen.

In Grönland ist im Juli fast dreimal mehr Eis geschmolzen als erwartet. Eisberge vor der Küste im Osten Grönlands. (15. August 2019) Bild: Felipe Dana/AP

Die Hitzewelle in Europa hatte den Wissenschaftlern zufolge auch die Arktis erreicht. Während in verschiedenen Ländern Allzeitrekorde fielen – in der Schweiz wurde der Höchstwert laut Meteonews nur im Juli 2015 mit 39,7 Grad übertroffen –, wurden in Grönland in 3000 Metern Höhe 2,7 Grad gemessen. Dieser Wert lag nur knapp unter den Allzeit-Temperaturrekord für den Monat Juli.

Die Rekordhitze hatte in der Arktis Waldbrände angefacht, womit gigantische Mengen CO2 freigesetzt wurden, was die Situation weiter anheizte.

(oli)

Erstellt: 20.08.2019, 12:07 Uhr

Haben wir Grund zur Panik?

Der Einfluss des Menschen auf den Klimawandel ist für die überwiegende Mehrzahl der Wissenschaftler eine unbestreitbare Tatsache. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hält die Lage für so gefährlich, dass sie sagt: «Ich will, dass ihr in Panik geratet.»

Für die grösste Partei der Schweiz, für rechtskonservative Kräfte in Europa und für den amerikanischen Präsidenten werden die steigenden Temperaturen hingegen missbraucht, um irrationale Ängste zu schüren und politische Propaganda zu betreiben.

Wie schlimm ist die Lage wirklich? Was ist zu tun? Welche Schweizer Partei hat die besten Konzepte, um den Klimawandel einzudämmen? Und sind die Streiks der Klimajugend das richtige Mittel?

Über diese und andere Fragen debattieren:

Petra Gössi, Präsidentin der FDP Schweiz.

Marcel Hänggi, Wissenschaftsjournalist, Sachbuachautor und Mitinitiant der Gletscherinitiative.

Rahel Ganarin, Geografin und Aktivistin der Klimastreik-Bewegung.

Christian Imark, Nationalrat der SVP aus dem Kanton Solothurn.

Moderation: Sandro Benini, Redaktor Meinungen&Debatte, Tages-Anzeiger.

28. August, Kaufleuten, Pelikanplatz Zürich. Türöffnung 19.00 Uhr, Beginn 20.00 Uhr.

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