Sie hat für jedes Wehwehchen das passende Kraut

Nelly Richina betreibt die grösste Kräuterapotheke der Schweiz. Sie verrät, gegen welche Beschwerden Ginseng, Minze und Co. helfen.

«In Heilkräutern steckt unglaublich viel Kraft»: Nelly Richina, Apothekerin. Foto: Sava Hlavacek

«In Heilkräutern steckt unglaublich viel Kraft»: Nelly Richina, Apothekerin. Foto: Sava Hlavacek

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Die Krauseminze, lateinisch Mentha spicata, ist eines von Nelly Richinas Lieblingskräutern. «Sie schmeckt sehr aromatisch und tut Magen und Darm gut. Deshalb trinke ich auch nach einem grossen Essen gern eine Tasse davon», sagt die 32-Jährige. Der Tee sei sehr mild und verursache – im Gegensatz zur Pfefferminze – auch bei Leuten mit empfindlichem Magen kein Magenbrennen.

Nelly Richina, eidgenössisch diplomierte Apothekerin, muss es wissen. Denn in ihrer Berg-Apotheke beim Stauffacherplatz in Zürich sind über 2000 Heilkräuter, Gewürze und Extrakte aus aller Welt erhältlich. Betritt man die grösste Kräuterapotheke der Schweiz, merkt man sofort, dass das keine gewöhnliche Apotheke ist: Der feine Duft von Kräutern, Gewürzen und ätherischen Ölen liegt in der Luft. Statt unzähligen Schubladen mit Pillen und Tabletten reihen sich in den Regalen grosse Metalldosen mit den verschiedensten Kräutern aneinander. Diese werden zu Hausspezialitäten und Teemischungen, zu Kräutersalben und -bädern, Ölen und Tinkturen verarbeitet.

«In Heilkräutern steckt unglaublich viel Kraft», sagt Nelly Richina. «Fast gegen jedes gesundheitliche Problem ist ein Kraut gewachsen.» So mindert Schafgarbe Menstruationsbeschwerden, Mariendistel ist gut für die Leber, Ginseng hilft bei Erschöpfung und Stiefmütterchen bei unreiner Haut. In Richinas Apotheke werden die Rezepturen häufig in enger Zusammenarbeit mit Naturheilpraktikern und Ärzten hergestellt. «Für den Heilprozess ist es wichtig, das richtige Mittel aus der Schulmedizin oder der Naturheilkunde auszuwählen», sagt Nelly Richina. Idealerweise würden sie sich ergänzen.

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Ein wichtiger Teil ihres Berufsalltags ist die Beratung. «Kräutermedizin wirkt gut – aber man muss sie richtig anwenden. Meinem Team und mir ist es deshalb wichtig, dass wir für jeden eine individuelle Lösung finden.» Dafür muss sie gut zuhören können und die richtigen Fragen stellen. Und natürlich über ein umfangreiches Wissen über Heilpflanzen verfügen. Woher hat die junge Apothekerin dieses Know-how?

«Während meines Pharmazie-Studiums an der ETH Zürich war die Pflanzenheilkunde eher ein Randthema», sagt Nelly Richina. Aber die Liebe zu Pflanzen und das Wissen um ihre Heilwirkung sei ihr praktisch in die Wiege gelegt worden. «Ich bin in einem kleinen Tessiner Tal aufgewachsen. Da war es ganz selbstverständlich, dass man Pflanzen und Kräuter sammelte und diese zu Tees, Heilmitteln oder Schnaps verarbeitete.»

Viel Wissen verdankt sie auch ihrem ehemaligen Chef, dem Apotheker Andreas Lenherr, der die Berg-Apotheke als Kompetenzzentrum der Kräutermedizin weitherum bekannt gemacht hat. Fünf Jahre lang hat Richina bei ihm als Apothekerin gearbeitet. Mit gerade mal 29 Jahren übernahm sie die Apotheke als Geschäftsführerin. Eine anspruchsvolle Aufgabe. Es geht nicht nur darum, das Team mit 18 Leuten kompetent zu führen, sie trägt auch eine grosse Verantwortung.

Auch Heilkräuter haben Nebenwirkungen

Denn auch bei Heilpflanzen gibt es Nebenwirkungen, über die Kundinnen und Kunden aufgeklärt werden müssen. Allerdings sind die unerwünschten Begleiterscheinungen im Vergleich zu herkömmlichen Medikamenten meistens weniger ausgeprägt. «Viele der Kräuter besitzen eine ganze Fülle an Inhaltsstoffen, die verschiedene Wirkungen haben», sagt die Apothekerin. «Dieses Stoffgemisch greift deshalb nicht nur an einem Punkt im Körper an, sondern an ganz unterschiedlichen.»

So wirkt beispielsweise die Afrikanische Teufelskralle nicht nur wie herkömmliche Produkte entzündungshemmend, sondern auch stoffwechselanregend und fördert damit zusätzlich den Heilungsprozess. Bei der Beratung ist es zudem wichtig, zu wissen, ob und welche Medikamente die Kunden einnehmen. «In der Regel vertragen sich Heilpflanzen gut mit Medikamenten. Aber in einzelnen Fällen, beispielsweise beim Johanniskraut, können sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung beeinflussen.»

In der Berg-Apotheke werden auch ganz «normale» Arzneimittel verkauft. Das sei selbstverständlich. «Wir sind auch eine Notfallapotheke und haben sieben Tage pro Woche geöffnet», sagt Nelly Richina. Ihre Liebe gilt aber definitiv den Kräutern. Diese stammen, wenn immer möglich, aus biologischem Anbau. Bei Heilkräutern aus der chinesischen und ayurvedischen Medizin sei das nicht immer möglich. Diese sind sehr gefragt, unter anderem von Kunden, die auf Auslandreisen positive Erfahrungen damit gemacht haben. Und wer zählt sonst noch zur Kundschaft? «Die Bandbreite ist gross. Jüngere Frauen und Männer mit Kindern, aber auch ältere Leute, die seit ihrer Kindheit mit Kräutern vertraut sind. Menschen mit schweren Krankheiten ebenso wie Leute, die einfach einen Tee gegen Hustenreiz haben wollen.»

Gesundheit erhalten mit Kräutern

Aber auch Gesunde, die sich für Kräutermedizin zur Vorbeugung interessieren, zählen zu ihren Kunden. «Heilkräuter können helfen, den Organismus beziehungsweise das Immunsystem nachhaltig zu stärken, sodass eine Gesundung und eine Gesunderhaltung erreicht werden.»

Und was tut Nelly Richina selber, um gesund zu bleiben? «Ich liebe meine Arbeit hier sehr, aber ich achte darauf, dass ich auch Zeit für mich habe. Dann treibe ich gerne viel Sport, besuche Sprachkurse – oder reise zu meiner Familie ins Tessin.»


Hier bekommen Sie Heilkräuter mit Beratung

Zürich – Berg-Apotheke Stauffacherstrasse 26, www.berg-apotheke.ch

Bern – Bollwerk Apotheke AG Bollwerk 15, www.bollwerkapotheke.ch

Basel – Saner Apotheke AG Viaduktstrasse 12, www.saner-apotheke.ch

Schwyz – Mythen Apotheke Drogerie, www.mythen-apotheke-drogerie.ch

(Schweizer Familie)

Erstellt: 22.04.2019, 19:28 Uhr

Heilen mit Pflanzen

Für viele Beschwerden hält die Pflanzenheilkunde Mittel bereit. Idealerweise werden sie ergänzend zur Schulmedizin angewendet. Für den Einsatz in der Notfall- oder Intensivmedizin eignet sie sich nicht.

Ginseng
Das Wurzelpulver stärkt die Abwehrkräfte und hilft bei Erschöpfung.

Stiefmütterchen
Das wichtigste Heilkraut für die Haut unterstützt die Ausleitung von Schadstoffen über die Nieren.

Schafgarbe
Die wärmende Pflanze wirkt entkrampfend bei Regelschmerzen.

Mariendistel
Die Distelart aus dem Mittelmeerraum unterstützt die Verdauung und tut der Leber gut.

Afrikanische Teufelskralle
Die Pflanze regt die Verdauung an. Sie wirkt zudem entzündungshemmend und schmerzstillend.

Kräuterpfarrer Johann Künzle

Als Bauernsohn bei St. Gallen aufgewachsen, lernte Johann Künzle (1857–1945) von seinen Eltern viel über Pflanzen und deren Wirkung. Nach seinem Theologiestudium hatte er verschiedene Pfarrer-Stellen inne. Zufällig stiess er auf ein Medizinalkräuterbuch, das ihn faszinierte.

Er bildete sich auf diesem Gebiet weiter und gründete in Zizers GR die «Kräuterpfarrer Künzle AG». Seine gesammelten Erfahrungen verarbeitete der Kräuterdoktor im «Grossen Kräuterheilbuch», das 1944 kurz vor seinem Tode erschien. Seine Bergkräuter gaben der Berg-Apotheke in Zürich ihren Namen.

Hildegard von Bingen

Die Benediktinerin Hildegard von Bingen (1098–1179) ist die bekannteste Vertreterin der Klostermedizin. Dabei war sie eher für ihre theologischen Schriften bekannt. Erst im 20. Jahrhundert wurden ihre heilkundlichen Werke wiederentdeckt.

Sebastian Kneipp

Er wuchs in einer armen Weberfamilie auf und musste von Kindheit an hart arbeiten. Während seiner Studienzeit erkrankte Sebastian Kneipp (1821–1897) an Lungentuberkulose. Das Büchlein über die Kraft und Wirkung des Wassers von Dr. Johann Siegmund Hahn rettete ihm das Leben. Darauf erprobte und verfeinerte er die Wasseranwendungen, die wir heute als Kneipp-Kuren kennen.

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