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StadtverbessererWo bitte gehts zur Fidelisuppe?

Wer älteren Leuten beim Einkauf hilft, der lernt «nach Grossmutterart» etwas dazu.

Einkaufen war auch schon entspannter. Das Gedränge vor den Regalen fällt zwar weg. Aber das Distanzhalten hat manchmal etwas Gespenstisches. Als wären Blick ansteckend. Man wartet, hält Abstand und beobachtet. Zum Beispiel die junge Frau Anfang zwanzig mit den pechschwarzen Haaren und dem Rammstein-T-Shirt. Nennen wir sie Nora.

Etwas unbeholfen tigert Nora vor der Gemüseauslage herum und wirft immer wieder einen Blick auf ihren zweiten Einkaufszettel. «So nett!», denkt sich der Stadtverbesserer, «die Gute erledigt auch gleich die Einkäufe für ihre ältere Nachbarin!» Und diese, Frau Dünklimoser, kocht mit ihren rüstigen 79 halt immer noch am liebsten nach ihren Rezepten von früher. Statt Bami Goreng oder einen Caesar Salad aus dem Convenience-Regal hat sie deshalb «alles für en guete Hörpferibel» bestellt, nett winkend aus dem Küchenfenster. «Und Zuetate für en Chöli-Wickel bitte, bissoguet, du Liebs. Ah, no vier Eier gern, für e feini Chratzeti.» Und für übermorgen: «Jaa, da gits Zibele-Bransi. Ou, bevor is vergiss: no en Chnoche gern. Isch nie schlächt für e gueti Chnolle- oder Fidelisuppe!»

«Fideli was?», denkt sich der Stadtverbesserer, muss sich Nora sicher gefragt haben. Doch die ist inzwischen schon in die Fleischabteilung unterwegs, zur nächsten Knacknuss. «Chuttle? Schöfis? Hm.»

Der Stadtverbesserer ist sich sicher, dass die Sache gut ausgehen wird, egal, ob Nora nun die «Jaköbler»-Kartoffeln gefunden hat oder nicht. Sind die Zeiten wieder besser, sitzt sie mit Frau Dünklimoser bestimmt gemütlich auf dem Balkon und beisst genüsslich in ihr erstes Zibele-Bransi, ein in «Anke» geröstetes Zwiebel-Schnittchen.