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Autorin aus HettlingenWo das Tier im Namen steckt

Aus einer Maturarbeit entstand ein Reiseführer durch die Deutschschweiz. Corinne Lanz-Schläfli zeigt auf humorvolle Weise auf, wie Siedlungen zu ihren Namen gekommen sind.

Der etwas andere Reiseführer von Corinne Lanz-Schläfli erscheint diesen Monat.
Der etwas andere Reiseführer von Corinne Lanz-Schläfli erscheint diesen Monat.
Foto: PD

Es fing alles mit einer Maturarbeit an. Corinne Lanz-Schläfli wollte sich mit einem Thema auseinandersetzen, welches «nicht zu trocken» und «nicht zu ernst» ist, wie sie sagt. Nach eineinhalb Jahren und erfolgreichem Maturabschluss hat sich das Projekt zu einem handfesten Produkt gewandelt: ein Reiseführer durch Deutschschweizer Siedlungen mit Namen, welche vermeintlich oder überraschenderweise etwas mit einem Tier zu tun haben, wie beispielsweise Madetswil oder Wiesendangen. Das Buch erscheint am 18. Mai beim Verlag Helvetiq.

Corinne Lanz-Schläfli ist 40 und wohnt in Hettlingen. Die gebürtige Bernerin hat mit 35 die Erwachsenenmatur in Frauenfeld nachgeholt. Sie arbeitet nun Teilzeit als Sachbearbeiterin und studiert an der Universität Zürich Geschichte und Geografie. «Wenn man umzieht, begegnet man vielen unbekannten Siedlungsnamen», sagt sie. «Ich wollte wissen, wie diese zustande kamen.» Daraufhin habe sie angefangen, interessante Namensschilder zu fotografieren und zu sammeln. Für die Maturarbeit waren es aber bereits so viele, dass sie nicht alle einbeziehen konnte. Um die Auswahl einzuschränken, entschied sie sich, herauszufinden, welche Siedlungsnamen tierischen Ursprungs sind – oder den Anschein erweckten.

Namensforschung

Nach der abgeschlossenen Matur suchte sie einen Verlag, der mit ihr zusammen ihr Projekt ausarbeiten wollte. «Ich hatte Glück, ich fand schnell einen», sagt Lanz-Schläfli. «Die Zusammenarbeit verlief sehr gut.»

Als wichtige Quelle zur Sprachgeschichte der Siedlungsnamen diente Lanz-Schläfli die Website ortsnamen.ch. Daten und Ergebnisse der schweizerischen Ortsnamenforschung werden hier der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und können gratis abgerufen werden.«Wenn ich eine Information dort nicht finden konnte, habe ich Universitäten direkt kontaktiert», erzählt sie. Auch kantonale Ortsnamensbücher wie beispielsweise das Zürcher Siedlungsnamenbuch, welches in der Projektphase ist, die neusten Forschungsresultate aber bereits online zur Verfügung stellt, dienten als wichtige Quelle. «Auch bei den Gemeinden selber habe ich angefragt», sagt Lanz-Schläfli. «Oftmals existiert bereits eine Dorfchronik, die Historikerinnen und Historiker niedergeschrieben haben.»

Abseits des Bekannten

Das Buch sei für unternehmenslustige und neugierige Menschen gedacht, die auch einmal abseits der Schweizer Tourismushochburgen etwas erleben wollten. Zu entdecken gibt es einen Eisenbahntunnel ohne angeschlossenes Bahnnetz in Ebersecken, die vermutlich keltische Sportart «Meggelen» in Wolfwil oder einen steinernen Wisent in Wiesendangen. Denn Wiesendangen hiess noch im 9. Jahrhundert «Wisuntwangas», was so viel wie «Auf den Auen, wo der Wisent weidet» bedeutet. Da die Menschen aber über die Jahrhunderte hinweg die Wortbestandteile nicht mehr verstanden, wurde der Ort bereits ab dem 13. Jahrhundert durchweg «Wisendangen» genannt. Der Wisent verschwand allmählich aus Europa, und so sah man in «Wisen» bald das Wort «Wiese». So kam die Gemeinde dann auch zu ihrer heutigen Schreibweise mit «ie».

Sie werde auch weiterhin ihre Landkarte zücken und sich auf die Suche nach unbekannten Ortschaften und deren Eigenheiten machen. «Es gibt noch so viel mehr zu entdecken«, sagt sie. «Kein Ort ist so, wie es auf den ersten Blick scheint.»