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Das historische BildWo man sich in Winterthur unter Strom setzen konnte

An der Badgasse gab es um 1900 auch ein therapeutisches Elektrobad – das «Stangerbad» sollte Gichtbeschwerden lindern.

Das «Vierzellenbad» wie hier an der Badgasse in Winterthur um 1910 wurde insbesondere «nervös erschöpften, ängstlichen und hysterischen Frauen» ans Herz gelegt.
Das «Vierzellenbad» wie hier an der Badgasse in Winterthur um 1910 wurde insbesondere «nervös erschöpften, ängstlichen und hysterischen Frauen» ans Herz gelegt.
Foto: Bildarchiv der Winterthurer Bibliotheken

In der Winterthurer Bade- und Waschanstalt an der Badgasse war um 1900 auch eine Stromtherapie im Angebot. Die Kombination zwischen Wasser und Elektrizität scheint angesichts der abgebildeten Apparatur nicht gerade behaglich, doch die therapeutische Wirkung von sogenannten hydroelektrischen Bädern ist bis heute anerkannt.

Den Ursprung dieser Bäder verdankt die Medizin dem deutschen Gerbermeister Heinrich Stanger. Dieser wollte nur die Abläufe in seiner Fabrik beschleunigen, indem er die Gerbergruben unter Strom setzte. Unverhofft linderte er damit die Gichtbeschwerden seines Vaters, der seine Arme oft im elektrisierten Wasser hatte. Um seine Beobachtung zu verifizieren, lud Stanger weitere Rheuma- und Gichtkranke ein und liess sie ebenfalls in die Gerbergruben fassen – mit Erfolg.

«Für ängstliche Frauen»

Das sogenannte Stangerbad war erfunden. Eine Adaption des Stangerbades, das Vierzellenbad, kam auch in Winterthur zum Einsatz. Dabei wurden die Extremitäten in separate Wannen getaucht und an den Stromkreis angeschlossen. Je nachdem wie man die Elektronen anstöpselte, wurde eine anregende oder entspannende Wirkung erzielt. Auf diese Weise konnten viele Leiden behandelt werden. Besonders «nervös erschöpften, ängstlichen und hysterischen Frauen» wurde das Verfahren früher ans Herz gelegt, weil beim Vierzellenbad die Unannehmlichkeit der körperlichen Entblössung wegfiel.

Vierzellenbad in der Winterthurer Bade- und Waschanstalt um 1910. Eines von über 60’000 Bildern, die im Online-Bildarchiv der Winterthurer Bibliotheken frei betrachtet werden können.