Abholzung des Regenwaldes so schlimm wie seit 2008 nicht mehr

Die Zerstörung im Amazonasgebiet hat stark zugenommen. Für Umweltschützer ist klar, wer schuld daran ist.

Mit Maschinen wird alles plattgemacht: Abholzung des Regenwaldes im Amazonasgebiet. Foto: Reuters

Mit Maschinen wird alles plattgemacht: Abholzung des Regenwaldes im Amazonasgebiet. Foto: Reuters

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Die Vernichtung des Regenwaldes im Amazonasgebiet schreitet so schnell voran wie zuletzt vor mehr als zehn Jahren. Zwischen August 2018 und Juli 2019 wurden fast 10'000 Quadratkilometer Wald abgeholzt. Das ist laut dem brasilianischen Weltrauminstitut Inpe der höchste Wert seit 2008, als knapp 13'000 Quadratkilometer Regenwald verloren gingen.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahm die Abholzung um fast 30 Prozent zu, wie die Auswertung von Satellitenbildern ergeben hat. Eine grössere Steigerung gab es letztmals vor mehr als zwanzig Jahren und überhaupt erst zweimal, seit das Inpe 1988 mit den Messungen begann.

Die neusten Zahlen schockieren, passen aber ins Bild. Seit 2012 nimmt die Abholzung des Regenwaldes fast kontinuierlich zu, nachdem in den Jahren zuvor ein erfreulicher Rückgang verzeichnet wurde. Um das Ausmass der Zerstörung zu verdeutlichen: Die 10'000 Quadratkilometer Wald, die innerhalb eines Jahres abgeholzt wurden, entsprechen einem Viertel der Fläche der Schweiz.

Für die jüngste Entwicklung macht die Umweltorganisation WWF den ultrarechten brasilianischen Präsidenten verantwortlich. Seit Jair Bolsonaro im Januar sein Amt angetreten hat, steht er wegen seiner Umweltpolitik international in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, die kommerzielle Ausbeutung von geschützten Amazonas-Gebieten zu befürworten. Bolsonaro ist eng mit der brasilianischen Agrarlobby verbündet und zweifelt die Verantwortung des Menschen für den Klimawandel an.

«Die neuen Zahlen zeigen, dass die Entwaldung im Amazonas völlig ausser Kontrolle geraten ist. Das geschieht nicht zufällig, sondern ist direkte Konsequenz der Regierung Bolsonaro, die Schutzgebiete und indigene Territorien de facto zum Abschuss freigegeben hat», sagte ein Sprecher von WWF. Diese Entwicklung müsse «dringend gestoppt werden».

Der Regenwald wird immer stärker abgebrannt und gerodet: Abholzung in der brasilianischen Region Rondônia. Foto: Copernicus Sentinel Data, bearbeitet von Pierre Markuse (Flickr)

Vor allem Viehzüchter legen gerne Feuer, um Land zu roden, auf dem danach ihre Rinder weiden können. Auch Bauern vernichten illegal Regenwald, um den Boden für Soja-Anbau zu nutzen. (Lesen Sie hier, warum Schweizer Händler von Waldbränden im Amazonas profitieren.) Seit dem Amtsantritt von Präsident Bolsonaro hat sich die Geschwindigkeit der Abholzung laut Inpe-Angaben vervielfacht.

Nicht in der aktuellen Statistik enthalten ist die grosse Zerstörung, welche die Waldbrände von August und September verursacht haben. Es waren die schlimmsten im Amazonas-Gebiet seit dem Jahr 2010. Und sie wurden mutmasslich grossteils von Menschen gelegt.

Für Umweltschützer sind die neuen Zahlen ein weiteres Alarmzeichen. Denn der Amazonas-Regenwald gilt als «Lunge der Erde» und spielt im globalen Klimaschutz eine unverzichtbare Rolle. Er speichert riesige Mengen des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid. Sollte die brasilianische Regierung ihre Haltung nicht ändern, werde der Umweltschutz um 30 Jahre zurückgeworfen, warnt der WWF.

(wig./sda)

Erstellt: 19.11.2019, 16:00 Uhr

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