Zürich/Zollikon

«Wer zielen kann, ist gut»

Während die neue Schützenkönigin Neva Menzi in Feierlaune ist, stösst Regierungsrätin Carmen Walker Späh eine Debatte um den Namen des Zürcher Traditionsanlasses an.

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Die Stimmung ist angespannt. Dumpf sind die letzten Schüsse durch den Gehörschutz wahrnehmbar. Doch als am Montagvormittag die letzten Jugendlichen ihr Glück versuchen, ist im Schützenhaus Albisgüetli schon allen klar, dass die Entscheidung um den Titel des diesjährigen Schützenkönigs am Knabenschiessen längst gefallen ist.

Die 15-jährige Schützenkönigin Neva Menzi aus Zollikon hatte am Sonntag, nur drei Minuten nach Schiessbeginn, ihren Lauf mit der Maximalpunktzahl von 35 Punkten abgeschlossen. Das Geheimrezept der diesjährigen Schützenkönigin lautete: einfach ruhig bleiben. Am sogenannten Ausstich am Montagmorgen musste die diesjährige Siegerin aufgrund dieses Resultates nicht einmal mehr zum Schiessen antreten.

Die Siegerin liess sich am Montag gebührend feiern. Video: Keystone/SDA

«Ich war froh, dass ich nicht mehr schiessen musste, ich glaube, da wären die Schüsse vor lauter Nervosität irgendwo gelandet», sagt Menzi. Um 11.15 Uhr am Montagmorgen wurde die Siegerin aus rund 3500 Teilnehmenden dem Publikum unter grossem Applaus vorgestellt und war sofort von der Presse umschwärmt.

«Ich freue mich sehr über meinen Sieg und bin noch etwas überrumpelt», sagt die frisch gekrönte Schützenkönigin. Ob das Schiessen nun zu ihrem neuen Hobby wird, weiss Menzi noch nicht. Die Fussballerin absolviert zurzeit ein Praktikum als Fachangestellte Betreuung und möchte sich für das nächste Jahr eine Lehrstelle in diesem Bereich suchen.

Mit Ruhe zum Sieg

Neva Menzi kann ein Preisgeld in der Höhe von 5000 Franken mit nach Hause nehmen. Was sie mit diesem Geld machen wird, weiss sie noch nicht so genau. Einen Teil will sie sparen. «Aber vielleicht kaufe ich mir auch ein neues Paar Schuhe, welches ich mir schon länger wünsche», sagt Menzi.

Auf dem Weg zum Königstitel werden die 13- bis 17-jährigen Jugendlichen jeweils von einem Schiessinstruktor begleitet. «Die Einstellung muss stimmen. Und es gehört auch etwas Glück dazu», erklärt Menzis Instruktor Heinz Thalmann. Er ist stolz auf seine diesjährige Schützenkönigin, die bei ihrem ersten Schuss gerade einen 6er geschossen hat. «Wenn jemand so startet, geht es danach nur noch darum, dass man seinen Schützen beruhigt und er Ruhe bewahren kann», ergänzt Thalmann.

Video: Neva Menzi über ihr Erfolgsrezept

Fest geplant

«Ich freue mich total für Neva», sagt Sascha Ullmann (GLP). Der Gemeindepräsident von Zollikon kennt die junge Schützin persönlich. «Ich bin positiv überrumpelt, dass wir nun eine Schützenkönigin in unserer Gemeinde haben», sagt er. Die Gemeinde konnte bereits 1955 und im Jahr 2000 einen Sieg feiern. Noch ist nicht klar, wie die Feierlichkeiten für die junge Schützin aussehen werden. «Wir fragen sicher auch noch Neva, es soll ihr Fest sein», sagt der Gemeindepräsident, der sich selbst als Secondo aus Deutschland bezeichnet und das Knabenschiessen erst zum zweiten Mal besucht.

Der Gemeindepräsident von Zollikon, Sascha Ullmann, freut sich mit der Schützenkönigin.

Die junge Schützin ist die siebte weibliche Siegerin des Knabenschiessens. Erst seit 28 Jahren sind auch Frauen zugelassen. Dass das Knabenschiessen noch immer ein sehr traditioneller Anlass ist, zeigt sich insbesondere in der Diskussion über dessen Namen. «Liebe Männer, nehmt euch in Acht, auch wir Frauen können mit Waffen umgehen», sagt Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh (FDP). Die Regierungspräsidentin richtet sich in ihrer Rede direkt an die Schützengesellschaft und meint, dass sie sich nicht so sicher wäre, dass es nicht doch irgendwann zu einer Namensanpassung kommt. Mit ihrer angestossenen Debatte exponiert sich Carmen Walker Späh. Als sie Gespräche im Rathaus über gendergerechte Sprache in Erinnerung ruft, wird die Regierungsrätin ausgebuht.

Die Mehrheit der im Festzelt anwesenden Männer im Anzug ist sich einig: «Traditionen müssen gewahrt sein.» Gar als «übers Ziel hinausgeschossen» bezeichnet der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) die Debatte um eine Namensanpassung in seiner Rede im Anschluss.

Ein Umzug für die Königin

Klar ist, dass das Knabenschiessen jedes Jahr mehr Mädchen anzieht und das letzte Wort in dieser Diskussion noch nicht gesprochen ist. Für die junge Schützin spielt es keine Rolle, ob ein Mädchen oder ein Junge sich in den Schiessstand legt: «Wer zielen kann, ist gut», sagt Menzi. Zum Abschluss des Zürcher Traditionsanlasses wird die Schützenkönigin an der Spitze eines Umzuges durch die vielen Besucher der Chilbi beim Albisgüetli geführt.

Erstellt: 09.09.2019, 20:48 Uhr

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