Eigental

Zu viele Unbelehrbare im Eigental

Im Amphibienschutzgebiet zwischen Nürensdorf und Oberembrach halten sich viele Automobilisten nicht ans Fahrverbot während der Froschwanderung. Trotz modernster Signale und Kameras ist die Polizei auf Vorhängeschlösser und Ketten angewiesen, um die Sperrung durchzusetzen.

Laichzeit der Frösche und befahrene Strassen - eine unheilvolle Kombination.

Laichzeit der Frösche und befahrene Strassen - eine unheilvolle Kombination. Bild: ZUM

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Vereinzelt liegen noch immer Schneeflecken im kühlen Eigental. Doch was die Durchgangsstrasse im Amphibienschutzgebiet angeht, ist bereits ein heisser Frühling angebrochen.

Allein in der ersten Nacht der aktuellen Sperrphase zur Laichzeit der Frösche und Kröten ist es im Eigental zu 88 Übertretungen des Fahrverbots gekommen. So viele Autolenker haben nämlich da schon die neuen LED-Verbotsschilder passiert. Diese stehen an beiden Zufahrten des Eigentals, beim Schützenhaus Oberembrach und in Birchwil. Erst im August 2017, nach viereinhalb Jahren Totalsperrung, war die Strecke wieder für den Durchgangsverkehr geöffnet worden.

Eigentlich hatten die Behörden gehofft, dass eine ferngesteuerte Signalisation mit automatischer Kameraüberwachung ausreichen würde, um die Verkehrsregeln durchzusetzen. Doch nun zeigt sich, dass dies nicht funktioniert. Deshalb musste die dafür zuständige Stadt Kloten aufrüsten. Und zwar gleich mehrfach. «Das ist nötig», sagt Thomas Grädel, Leiter Sicherheit in der Flughafenstadt. Denn wie sich nun zeige, gebe es zu viele Unbelehrbare, die trotz eindeutiger Signalisation das Eigental einfach weiterhin befahren würden.

Herzstück zusätzlich gesichert

Die Verantwortlichen sahen sich deshalb gezwungen, die alten Metallschranken wieder aus dem Lager zu holen. Diese stehen erneut auf beiden Seiten des grossen Amphibienhabitats beim Eigentalweiher und werden jeden Abend um 18 Uhr mit Ketten abgeschlossen, um morgens um acht Uhr pünktlich wieder aufgeschlossen zu werden. So wird das Herzstück des Schutzgebietes zusätzlich geschützt.

«Vor der Schranke gabs heuer am Morgen schon vor acht Uhr Stau», berichtet derweil ein Anwohner auf der Birchwiler Seite des Gebiets, der nicht namentlich genannt werden möchte. Die Sperrung des Tals zum Schutz der Frösche, Kröten und Molche findet der Mann in Ordnung, zumal diese zur Hauptwandersaison im Frühling schon seit bald zwanzig Jahren erfolge.

Nebst den abgeschlossenen Schranken stehen auf der Oberembracher Seite und bei derAuffahrt zum Gehöft mitten im Tal zusätzliche Gitter mit entsprechenden Verbotsschildern. «Jetzt kann niemand mehr behaupten, dass man die Hinweise nicht gesehen habe», sagt Polizeichef Grädel. Im vergangenen Herbst wurde bei der letzten Sperrphase genau dies bemängelt. Seither habe man die digitalen Anzeigen während der Sperrzeiten mit einem blinkenden roten Balken versehen.

Frosch-Massaker verhindern

Thomas Maag ist Amphibienfachmann vom Naturschutz Bassersdorf Nürensdorf (NBN) und spricht von einem «schwierigen Kapitel». Er habe mehrmals erlebt, dass Absperrungen entfernt worden seien, und gibt zu bedenken, dass momentan schon ein einzelnes Auto nachts im Schutzgebiet viel Schaden anrichten könne. «In der Rekordnacht hatten wir einst über 1500 Tiere über die Strasse getragen», erinnert sich Maag. Die Sperrung sei somit keineswegs eine Schikane, sondern sie verhindere ein Massaker auf der Eigentalstrasse.

Auch heuer seien wieder Gitter illegal entfernt worden, dieses Mal in Gerlisberg auf der Verbindung nach Birchwil. Deshalb hat die Stadt Kloten dort eine fixe, elektronische Barriere geplant. Sie soll noch diese Woche installiert werden. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 13.03.2018, 09:23 Uhr

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