Rümlang

Zürich verbannt den Abfallhai

Der von vielen als schön empfundene Abfallhai hat stammt aus Rümlang. Doch nun will die Stadt Zürich das Erfolgsmodell abschaffen. Das sorgt für Unverständnis.

Der schmale Schlitz ist Programm: Nutzer sollen nur kleine Mengen entsorgen können, die unterwegs entstehen. Der Haushaltmüll gehört in den gebührenpflichtigen Kehrichtsack.

Der schmale Schlitz ist Programm: Nutzer sollen nur kleine Mengen entsorgen können, die unterwegs entstehen. Der Haushaltmüll gehört in den gebührenpflichtigen Kehrichtsack. Bild: Madeleine Schoder

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Der Abfallhai ist nicht einfach nur ein gewöhnlicher Mülleimer. Das Design-Stück der ehemaligen Rümlanger Firma Brüco schaffte es bis ins Museum für Gestaltung und schluckt den Kehricht in Städten wie Berlin, Wien und Barcelona, aber auch in vielen Unterländer Gemeinden wie etwa Bülach, Oberglatt und Rümlang. «Ein wahrer Exportschlager», sagt Matthias Strebel, Mitinhaber der Anta Swiss in Knonau, die aus der Firma Brüco hervorgegangen ist.

Bilder aus der damaligen Produktionsfirma Brüco (Quelle: Youtube)

Hergestellt werden die edlen Chromstahl-Eimer aber immer noch in Rümlang, von der Rutz Gruppe, sowie an zwei weiteren Standorten. Doch der Stadt Zürich ist das gefeierte Stück nun nicht mehr gut genug. In den nächsten Jahren will man die Eimer nach und nach durch günstigere, sogenannte Züri-Kübel ersetzen. Sie haben eine grössere Öffnung, durch welche die immer umfangreicheren Verpackungen der Take-away-Anbieter besser passen - so die Begründung gegenüber «Lokalinfo» und dem «Tages-Anzeiger» .

Entrüstung im Internet

Leser zeigen wenig Verständnis für den Beschluss. Der Artikel auf «Tages-Anzeiger online» konnte am Freitag über viele Stunden den Spitzenplatz unter den meistgelesenen halten. In der Umfrage bezeichneten den Entscheid rund 85 Prozent als No-go. Und das Müll-Thema inspirierte die Nutzer zu zahlreichen Kommentaren, die meisten davon in entrüsteter Tonalität. Das Problem sei mit kleineren Verpackungen zu lösen, nicht mit grösseren Mülleimer-Öffnungen, schrieben diverser. Und ein Kommentator bringt es kurz und bündig auf den Punkt: «Das sind gute Nachrichten für uns Haushaltmüll-Entsorger!»

Tatsächlich ist der schmale Schlitz des Abfallhais keineswegs ein Konstruktionsfehler, sondern ein bewusster Kniff. Er soll Sparsame davon abhalten, grössere Mengen Kehricht hineinzustopfen und sich damit um die Sackgebühr zu drücken. Einige Modelle sind in der Mitte sogar noch mit einem Steg ausgerüstet, welcher die Öffnung zusätzlich verkleinert. Das schiefe Dach verunmöglicht es zudem, Abfall darauf zu stellen.

Schade, aber nicht bedrohlich

Matthias Strebel, der aus den Medien von der Geschichte erfahren hat, zeigt sich erstaunt. Dass ausgerechnet die Stadt Zürich, welche die Entwicklung ursprünglich angestossen hatte, nicht mehr zufrieden ist mit dem Abfallhai, kann er nicht verstehen. Im Jahr 2002 schrieb die Stadt den Auftrag für neue Kübel aus. Der Designer Werner Zemp beteiligte sich am Wettbewerb und schlug dem damaligen Inhaber der Firma Brüco vor, sie zu produzieren. Marcel Strebel, Vater von Matthias Strebel, war nicht sonderlich begeistert. «Braucht die Welt wirklich einen neuen Kübel?», soll er gesagt haben. Doch die Stadt wählte das Modell unter 80 Bewerbungen aus.

«Wir hätten den Schlitz auch vergrössern können, hätte die Stadt mit uns gesprochen.»Matthias Strebel

«Wir hätten den Schlitz auch vergrössern können, hätte die Stadt mit uns gesprochen», sagt Matthias Strebel. Zudem koste der Abfallhai niemals 3100 Franken, wie in den Medien angegeben, sondern je nach Modell zwischen 1500 und 2300 Franken. Das aus Chromstahl gefertigte Stück sei sehr langlebig. Die Firma bietet einen Service für Reparaturen und Sanierungen an. Strebel findet es schade, dass die Stadt Zürich aussteigt. Finanziell bedrohlich sei der Entscheid aber nicht. (Zürcher Unterländer)

Erstellt: 07.12.2018, 14:08 Uhr

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