Augenzeuge: FCZ-Fan schlug zu, weil Opfer Platz im Bus forderte

Ein Vater wurde vor seinen Kindern so schwer verletzt, dass die Polizei ihn nicht befragen kann. Der Täter hat sich gestellt, ist aber wieder frei.

Der Familienvater wollte mit seinem Kinderwagen und seinen zwei Kindern am Hardplatz in einen Bus der Linie 72 steigen.

Der Familienvater wollte mit seinem Kinderwagen und seinen zwei Kindern am Hardplatz in einen Bus der Linie 72 steigen. Bild: Urs Jaudas

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der mutmassliche Täter, der am Mittwoch, 14. August 2019, am Hardplatz einen 40-jährigen Familienvater am Kopf schwer verletzt hatte, hat sich der Polizei gestellt.

Wenige Stunden nach dem Verbreiten der ersten Medienmitteilung zum Vorfall am Donnerstagmorgen meldete sich der 16-jährige auf einem Polizeiposten im Kanton Zürich. Dies sei aufgrund des Mediendruckes geschehen, ist sich der Sprecher der Stapo, Marco Cortesi, sicher. «Er befürchtete, die Polizei würde bald bei ihm auftauchen.»

Der FCZ-Fan wurde festgenommen und nach Abklärungen und einer polizeilichen Befragung der zuständigen Jugendanwaltschaft zugeführt. Dort hat er am Freitagnachmittag ein Geständnis abgelegt.

Mittlerweile sei der Jugendliche wieder auf freiem Fuss, bestätigt Sarah Reimann, Sprecherin der Oberjugendanwaltschaft Zürich, eine Meldung von Blick.ch. «Der Jugendliche hat sich selbst gestellt und wurde mittlerweile durch die zuständige Jugendanwältin einvernommen», sagt Reimann. Da er vollumfänglich geständig sei, keinerlei Verdunklungsgefahr bestehe und es keine weiteren Haftgründe gebe, habe man den 16-Jährigen aus der Haft entlassen können. Die Jugendanwaltschaft hat ein Strafverfahren wegen schwerer Körperverletzung eröffnet.

Höchststrafe: Vier Jahre Haft

Dem Jugendstrafgesetzbuch ist zu entnehmen, dass dem Jugendlichen bei einer Verurteilung bis zu vier Jahre Haft drohen. Das ist die höchstmögliche Strafe für einen Jugendlichen, der das 16. Altersjahr erreicht hat. Dafür müsste er aber wegen (versuchter) schwerer Körperverletzung verurteilt werden, und das Gericht muss davon ausgehen, dass er besonders skrupellos gehandelt hat.

Die Klärung des Motivs sei Gegenstand der laufenden Ermittlungen, sagt Reimann. Zu möglichen Motiven kann auch Marco Cortesi derzeit nichts sagen. Um dieses zu klären, sei auch eine Aussage des Opfers wichtig. Aufgrund der schweren Verletzungen sei der 40-Jährige aber noch mehrere Tage nicht einvernehmbar, sagt Cortesi.

«So einer hat es verdient»

Der mutmassliche jugendliche Täter soll am Mittwochabend den 40-jährigen Mann mit einem Faustschlag schwer am Kopf verletzt haben. Der Vater wollte mit seinen beiden Kindern, 2- und 4-jährig, und einem Kinderwagen am Hardplatz in den 72er-Bus einsteigen, als er vom Täter unvermittelt angegriffen wurde.

Durch die Wucht des Faustschlags knallte der Vater vor den Augen seiner Kinder aufs Trottoir und blieb regungslos liegen. Gemäss «20 Minuten» hat ein Augenzeuge beobachtet, wie der Täter dem am Boden liegenden Opfer zuschrie: «So einer hat es verdient.»

Ein anderer Augenzeuge, der direkt hinter dem Opfer in den Bus einsteigen wollte, stellt die Situation im Gespräch mit dem TA so dar: «Ich stand mit meiner Frau und meinen drei Kindern direkt hinter dem Opfer. Es hatte wenig Platz im Bus. Also sagte das spätere Opfer in bestimmtem, aber nicht aggressivem Ton, man solle doch bitte aufrücken. Er würde gerne mit seinem Kinderwagen einsteigen. Daraufhin schlug einer unvermittelt zu, so dass der Mann rückwärts wieder aus dem Bus aufs Trottoir fiel.»

«Ich war völlig aufgewühlt»

Der genannte Augenzeuge ging daraufhin nach eigenen Aussagen zum Opfer hin und bemerkte, dass der Mann bewusstlos war. Er rief um Hilfe, jemand solle den Notarzt anrufen. Bis ihm ein Passagier ein Telefon hinstreckte und er selber den Notarzt benachrichtigte. Eine Passagierin, die sich als Krankenschwester zu erkennen gab, sei ebenfalls zur Hilfe geeilt. «Ich war völlig aufgewühlt», sagt der Augenzeuge weiter. Es hätte gerade so gut ihn und seine Familie treffen können.

Das Opfer musste mit schweren Kopfverletzungen ins Spital gebracht werden. Der mutmassliche Täter konnte mit weiteren jungen Männern in Richtung Hardbrücke flüchten. Der Augenzeuge beschreibt, dass der Täter einen schwarzen FCZ-Hoodie trug. Ebenso trugen die anderen jungen Männer Fankleider des FCZ.

«Einen derart krassen Fall von Gewalt an einem Unbeteiligten habe ich noch nie erlebt», sagt Stapo-Medienchef Marco Cortesi. Der Vater, der aus dem asiatischen Raum stammt und weder den Match besucht noch mit Fussball etwas am Hut hat, war wohl im falschen Moment am falschen Ort. Der Bus war gut besetzt, als der Mann samt Kinderwagen einsteigen wollte. Die Gewalttat ereignete sich um 21.20 Uhr, eine halbe Stunde nach dem 2:1-Sieg des FCZ gegen St. Gallen im Stadion Letzigrund.

Der FC Zürich zeigt sich entsetzt

Sanität und Polizei kümmerten sich um die verstörten Kinder. Der Vater war mit ihnen zu Besuch bei Bekannten. Dank Aussagen der Kinder konnten die Betreuer diese Bekannten ausfindig machen, die sich dann um die Kinder kümmerten, bis die Mutter sie abholte.

Die Geschäftsstelle des FCZ äusserte sich am Donnerstagmorgen zum Vorfall. In einem Facebook-Post steht: «Der FC Zürich ist entsetzt und verurteilt die Attacke aufs Schärfste. Der verletzten Person wünschen wir eine gute und rasche Genesung!»

Der Augenzeuge sagt, er werde in nächster Zeit jeglichen Fussballspielen fernbleiben: «Die Wahl des Opfers war zufällig. Es hätte genauso gut mich treffen können.»

Erstellt: 16.08.2019, 13:41 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles