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Weil sich Homeoffice etabliertZweitwohnungen werden teurer

Unternehmen setzen auch nach Corona aufs Homeoffice. Doch obwohl weniger Menschen in den Büros arbeiten, rechnen Immobilienexperten kaum mit grossen Leerständen – jedoch mit steigenden Preisen in touristischen Gemeinden.

Homeoffice macht Zweitwohnungen beliebter. Strassenfront im Ferienort Arosa.
Homeoffice macht Zweitwohnungen beliebter. Strassenfront im Ferienort Arosa.
Foto: Arno Balzarini (Keystone)

Die Arbeit im Homeoffice funktioniert. Das zeigte sich während des Lockdown. Doch auch jetzt, da sich die Büros langsam wieder füllen, wird die Arbeit von daheim beibehalten. Ein Nebeneffekt: Die Nachfrage nach Zweitwohnungen in den touristischen Gebieten nimmt zu. Das zeigen aktuelle Zahlen des Immo-Monitorings der Immobilienberatungsfirma Wüest Partner.

Denn wer öfter von daheim arbeitet, wird dies auch immer mehr in einer idyllischen Umgebung tun wollen. Eine Zweitwohnung in den Bergen oder am See wird attraktiver. Das zeigt sich auch in den Transaktionspreisen. Denn die Nachfrage nach Zweitwohnungen in Tourismusregionen war im zweiten Quartal 2020 rege. Seit Mitte 2019 hat sie sich um fast 4 Prozent erhöht.

Unternehmen setzen auf Homeoffice

Doch auf dem Büroflächenmarkt wächst die Sorge: Stehen wegen des Homeoffice bald grosse Büroflächen leer?

Der Büroflächenmarkt steht derzeit nicht nur unter besonderer Beobachtung, weil das Homeoffice an Beliebtheit gewinnt. Gerechnet wird auch mit einem grossen Stellenabbau bei den Unternehmen. Auch dadurch dürfte der Bedarf an zusätzlichen Flächen kurzfristig unter Druck geraten, die Nachfrage nach Büroflächen wird leiden.

So geht die Credit Suisse davon aus, dass künftig 10 bis 20 Prozent der Mitarbeiter von zu Hause arbeiten werden. Die UBS geht sogar von einem etwas höheren Anteil aus und erwartet, dass Unternehmen mittelfristig rund 20 Prozent bis zu einem Drittel der Mitarbeiter im Homeoffice haben. Die CS rechnet nun damit, rund ein Fünftel der Büroflächen einsparen zu können, wie diese Zeitung schreibt.

Weniger Abnehmer für Büroflächen

Wüest Partner hat 500 Schweizer Unternehmen zum Homeoffice befragt: 44 Prozent der Unternehmen mit klassischen Bürotätigkeiten gehen davon aus, dass ihre Angestellten künftig mehr daheim arbeiten werden. Und Wüest Partner rechnet in den nächsten zwei Jahren mit einem Anstieg des Heimarbeitsanteils von 25 bis 30 Prozent.

Bisher zeige sich der Büroflächenmarkt allerdings sehr stabil, schreiben die Immobilienexperten. Die Mietpreise seien teilweise im letzten Jahr gestiegen, doch gleichzeitig sei das Angebot seit der zweiten Jahreshälfte 2019 zurückgegangen. Im zweiten Quartal dieses Jahres inserierten die Immobilieneigentümer gar so wenig wie seit 2016 nicht mehr.

Die kommenden Monate werden den Büromarkt weiter unter Druck setzen. Steigende Leerstände sind wahrscheinlich. Denn neue Flächen, die sich bereits im Bau befinden, werden fertiggestellt. Abnehmer zu finden, wird schwierig werden. Corona wird auch hier längerfristig zu spüren sein: Die negative Wirtschaftsentwicklung wird bei vielen Unternehmen nicht nur auf die Umsätze, sondern auch auf die Expansionsmöglichkeiten drücken. Für dieses Jahr prognostiziert Wüest Partner einen Rückgang in den Büromieten in einzelnen Schweizer Regionen.

Mit einem grossen Anstieg an leer stehenden Büroflächen rechnet Wüest Partner jedoch nicht: Unter anderem dürfte der schwindende Bedarf an Platz für Büros durch andere Bedürfnisse kompensiert werden. So habe ein grosser Anteil der Unternehmen einen steigenden Bedarf an Flächen für Meetingräume, den Kundenbereich oder Aufenthaltsräume für die Mitarbeitenden.

Büromieten um über 3 Prozent geschrumpft

Auch die aktuelle Zahlen des Beratungs- und Forschungsunternehmen Fahrländer Partner Raumentwicklung zeigen, dass die Mieten für Büroflächen deutlich rückläufig sind. Im Vergleich zum Vorquartal sind sie schweizweit um 3,3 Prozent geschrumpft.

Ein Blick in die Regionen zeigt, dass sich die Mieten im Büromarkt unterschiedlich entwickelt haben: Den Regionen Mittelland, Basel und Ostschweiz sind nicht so stark betroffen wie hingegen die Regionen Genfersee und Zürich. In Genf sanken die Büromieten um 4,7 in Zürich um fast 4 Prozent.

Gründe sieht Chef Stefan Fahrländer in den Corona-bedingten Auswirkungen auf die Wirtschaft. Zwar treffe die Krise auf mehrheitlich robuste Büromärkte, die grosse Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Pandemie und der konjunkturellen Entwicklung führe bei den Unternehmen aber zu Zurückhaltung.

Mieten und Kaufen stabil

Der Mietwohnungsmarkt hat sich laut Wüest Partner während der Corona-Pandemie bisher nicht verändert. Zwar waren während der Monate März und April deutlich weniger Inserate auf Immobilienportalen zu finden. Doch die Entwicklung der letzten Jahre setzte sich fort: Die mittleren Mietpreise in den Inseraten sinken, und das Angebot an Wohnungen dehnt sich aus. Auch im Segment des Wohneigentums habe die Corona-Pandemie bisher keine Spuren hinterlassen: Die Transaktionspreise steigen, das Angebot nimmt tendenziell ab.